Frau Morgenstern


Mittwoch

27

Juli 2016

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Wie eine echte spanische Gazpacho mich selbständig machte…

Geschrieben von , Gepostet in mmh...

Besorgt dennoch voller Zuversicht schenkten mir meine Eltern vor zwanzig Jahren Flügel in ein selbständiges Leben. Darauf vollkommen unvorbereitet, landete ich also vor vielen, vielen Jahren als eine junge und abenteuerlustige Studentin aus dem fernen Osten in einem westlichen Studentenwohnheim. Wie schon erwähnt: Ich war recht unselbständig, ich konnte kaum Deutsch, ich konnte nicht kochen und ich war plötzlich ganz allein. Dieses Wohnheim wurde zu meiner Brandung: die meisten Studenten waren aus dem Ausland, ständig kochte jemand und man war eigentlich nie allein, wenn man nicht gerade allein sein wollte.

Das Kochen. Das konnte ich echt nicht. Nichts. Nothing. Rien. Nada.

Die erste Zeit ernährte ich mich von Bananen und Cornflakes und erweckte dadurch immer mehr Mitleid meiner Mitbewohner. Ich wurde dann immer öfter zum Mitessen eingeladen, was ich natürlich nicht ausschlagen konnte. Denn das Essen an sich liebte ich schon immer.

An einem heißen Sommertag hatte mir meine Nachbarin aus Spanien ihr Gazpacho-Familienrezept anvertraut. Diese kalte Suppe war für mich wie eine Offenbarung: ein leckeres Essen ist nicht schwierig zuzubereiten und es braucht nur wenige, simple Zutaten, um eine wahrhaftige Geschmacksexplosion auszulösen. Plötzlich konnte ich kochen! Und ich liebte es!

Diese Gemüsesuppe ist eigentlich ein absolut einfaches und anspruchsloses Gericht. Das, was ich bis jetzt in Restaurants serviert bekam, hat mit dieser „Wohnheim-Suppe“ wenig gemeinsam. Aber testet mal am Besten selbst!

250 g Weißbrot

5 Tomaten

1 Salatgurke

1 Paprika

2 Knoblauchzehen

2 EL gutes Olivenöl

Sherryessig

Meersalz

Frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

Das Brot in Scheiben schneiden, von Rinde befreien und in 100 ml Wasser einweichen.

Gehäutete Tomaten und den Rest des Gemüses (vorher grob zerkleinern) zusammen mit dem Knoblauch, Brot, Olivenöl und einem Schuss Sherryessig mit einem Handmixer glattrühren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken, etwas Wasser hinzugeben und nochmals mit dem Mixer durchrühren. Fertig! Nein, noch nicht ganz: Gazpacho mit Frischhaltefolie abdecken und in den Kühlschrank stellen. So nach zwei-drei Stunden ist diese Suppe perfekt temperiert.

Die gut gekühlte Gazpacho ist an einem heißen Sommertag meine absolute Lieblingsspeise. Auf eine wunderschöne, nostalgische Weise versetzt sie mich in meine Vergangenheit und gibt mir zu verstehen, dass sogar die hoffnungslosesten, verträumten Mini-Prinzessinnen – wie ich einst eine war – groß werden, kochen lernen und zuversichtlich an die Selbständigkeit ihrer eigenen Kinder denken…

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Was esst Ihr gerne an heißen Tagen?


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