Frau Morgenstern


Samstag

25

Oktober 2014

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Hommage an Mary Poppins

Geschrieben von , Gepostet in Global

Wartende

Wer hat als Kind nicht vom Fliegen, fantastischen Welten, Abenteuern und außergewöhnlichen Wesen geträumt? Ich habe damit auch in meinem fortgeschrittenen Alter noch nicht abgeschlossen…

Eine Zeit lang haben meine Freundin Nailia und ich uns mit Fotografie im Bereich der Levitation ausgetobt. Das passende Motiv für unser Vorhaben war schnell gefunden – das berühmte Kindermädchen, das auf einem gespannten Regenschirm vom Himmel geschwebt kam und genau so ging – die wunderbare Mary Poppins.

Das Gesetz der Erdanziehungskraft außer Kraft zu setzen, machte einen riesen Spaß! Ich möchte unbedingt erwähnen, dass die „Levitation-Bilder“ keine simplen Montagen sind. Ich balancierte tatsächlich auf der Spitze einer sehr rutschigen Stiefelette, mit einem Koffer in einer Hand, einem Regenschirm in der anderen, fast über dem Rhein und mit dem Wind im Rücken…und das alles ohne jegliche Hilfestellung von außen. Es hätte alles recht nass enden können…ist aber zum Glück gut gegangen! Das nur am Rande als Selbstlob…zurück zu Mary Poppins:

Meine erste Begegnung mit der Mary Poppins-Figur war alles andere als positiv. Als Kind habe ich sie in einer russischen Verfilmung der Romane von P.L. Travers kennengelernt, und ich fand sie furchtbar! An eine Sequenz aus diesem Musical-Fantasyfilm (ein Filmgenre, das ich bis heute nicht ausstehen kann) kann ich mich besonders gut erinnern: die tanzende Mary Poppins sang ein Lied über sich selbst. Ein kurzer Auszug hierzu: „…ah, was ist es nur für eine Glückseligkeit zu wissen, dass ich die Perfektion in Person bin, dass ich ein Ideal bin….“dabei sprang (recht frivol) ein Tänzer in einem überdimensionalen Katzenkostüm in einem Schaufenster und hauchte den Refrain „La-a-ady, Lady Mary…La-a-ady, Lady Mary“…Gruselig!

Ich – als gut erzogenes Mädchen – fand es unmöglich, dass eine Person solche Sachen von sich denken kann, geschweige denn, sie laut auszusprechen. Zurückhaltung ist eben keine Charaktereigenschaft von Mary Poppins!
Und was ich für absolut inakzeptabel in meiner Kindheit hielt, änderte sich, nachdem ich die Romane von P.L. Travers als Erwachsene gelesen habe. Die Beschreibung der Figur von Mary Poppins als eine schnippische, sehr eitle Person, die zu allem nur eine Meinung akzeptiert – nämlich ihre eigene – finde ich als erwachsene Frau genial! Was ich als Kind für selbstverliebt hielt, empfinde ich heute als adäquate Selbstreflektion einer Frau, die weiß wer sie ist, was sie kann und was sie will! Findet ihr nicht auch?

2 Kommentare

  1. NailiaS

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